Claus Leggewie, taz vom 30.01.2007:
Wider das wachsende Misstrauen
Eine vorurteilslose Debatte und Forschung über Islam und Moderne kann nur erreichen, wer endlich auf Kampfbegriffe wie Islamophobie und Islamofaschismus verzichtet
Olle Kamelle, aber glatt übersehen – Claus Leggewie, der Allesversteher höchstderoselbst, ist nun doch:
- gegen den “Kampfbegriff” Islamophobie
- für eine “selbstbewusste Erkennung des Gegners”
- für eine “selbstreflexive ‘Gegnerforschung’”
- für eine “vorurteilslose” “Debatte und Forschung über Islam und Moderne” “ohne die Scheuklappen politischer Korrektheit”
Yeah! Sock it to them, Leggman! You’re my man now. Dimitto tibi debita tua.
Auszüge:
Nicht alles, wo Islamophobie draufsteht, ist aber tatsächlich islamfeindlich. Der Kampfbegriff stammt aus dem Vokabular einer Anti-Rassismus-Organisation, dem britischen Runnymede Trust, der 1997 im Sinne eines politisch besonders korrekten Multiculturalism eine lange Liste von Kritiktabus vorgelegt hat: Den Islam behandelt demnach schon feindlich, wer ihn als “politische Ideologie” ansieht, “die für politische und militärische Vorteile genutzt wird” oder wer “Kritik des Islam ‘am Westen’ pauschal ablehnt”.
…
Ungeachtet dessen tut die selbstbewusste Erkennung des Gegners und eine selbstreflexive “Gegnerforschung” (Wolf Lepenies) Not. Das hat der letztjährige Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels – zum Erstaunen der Paulskirche und einer pazifistisch gestimmten Öffentlichkeit – weniger der überforderten Islam- als der gesamten Kulturwissenschaft aufgegeben. Dabei verzichtete er auf jeden bellizistischen Schlenker im “Krieg der Kulturen”.
Auf die Einlösung dieses Postulats in der öffentlichen Debatte wie im engeren Feld der Kulturwissenschaften wartet man. Schlagwörter und Kampfbegriffe wie Islamophobie und Islamofaschismus stehen nur im Weg, wenn endlich eine Debatte und Forschung über Islam und Moderne beginnen soll, die vorurteilslos und ohne die Scheuklappen politischer Korrektheit zu den umstrittenen Sachen selbst kommt.
Was will man mehr.
Dazu aus aktuellen Anlass etwas Schleichwerbung – steigert das Wohlbefinden zusätzlich. Off topic – deswegen zum Überspringen blau markiert:
Da Deutschlandradio und DLF, von Radio Multikulti und Funkhaus Europa ganz zu schweigen (musikalisch durchaus Leib- und Magen Sender dieses Hauses) , ohne 10%igen Islamanteil in Nachrichten und Redaktion nicht auskommen mögen, empfiehlt sich last.fm als Internetradio.
Pandora.com ist zwar um einiges empfehlenswerter, doch leider hat die GEZ den Amis in Deutschland den Saft abgedreht – Verschwörungstheorien bieten sich an …just kidding. Mit einem Proxy Server als Notbehelf könnte sich zwar auch der gemeine Teutone aus Oer-Erckenschwick als California Beach Boy ausgeben, leider funzt die Sache trotzdem nicht so recht, as Oer-Erckenschwick’s ghetto boyz might say.
Richtig praktisch ist last.fm allerdings nur mit software-download und Registrierung, aber was soll’s: Marvin Gaye oder Nusrat Fateh Ali Khan als Tag einstellen, Leggewies -etwas verspäteten- Geistesblitz durchlesen (in der taz, of all places…), und entspannen – noch ist Polen nicht verloren.
Yusuf: Islam’s willing executioner
Wer die Überschrift nicht versteht, dem seien die ersten 5 Minuten dieses Videos empfohlen. Nicht neu, aber gut. (Update: Bei youtube wurde das Video mittlerweile gelöscht, neues Link bei archive.org)
Ebenfalls der Erinnerung wert: nicht mal aller Islamophilen Lieblingshistoriker Juanito Cole konnte sich 2004 dazu überwinden, Yusuf Islam, aka Cat Stevens anläßlich dessen Deportation aus den USA zu unterstützen. “…I have a hard time rushing to Yusuf Islam’s defense because I never forgave him for advocating the execution of Salman Rushdie in 1989″. Stevens, so Cole, “had explained this position away by saying that he did not endorse vigilante action against Rushdie, but would rather want the verdict to be carried out by a proper court.” Das waren für ihn “weasel words“, und Stevens nachträgliche Leugnung sei nicht mal “consistent”, denn “[a]t the time, Rushdie’s life was in imminent danger, and Cat Stevens was skating pretty close to inciting to murder”.