Blütenlese

3. Juli 2007

Lotte in Kuba

Filed under: Joachim Lottmann,taz — by M. M. @ 07:47:33

Joachim Lottmann entmäßigt sich – und beschreibt seinen -pardon- bumsfidelen Urlaub im subtropischen Paradies: „Die glücklichen Kinder der Revolution“, taz, 3. Juli 2007


Schwer zu fassen: die imperialistischen Lakaien von Amnesty sehen la isla bonita als Polizeistaat, mit Folterkeller, Todesstrafe nach Bedarf und Pressefreiheit a la habanera – und der Lottmann weiß es deswegen natürlich besser, as anecdotal evidence rules: Lotte sieht beim Spazierengehen einen renitenten Balletttänzer im Röckchen, und der wird darob nicht etwa verhaftet, sondern nur kurz sistiert und zwei Stunden mit Handschellen in die Sonne gestellt – ergo kann es also alles ja nicht so schlimm sein, das haben sich alles nur „Bush und Condi Rice am Handy“ ausgedacht – QED.

„Absolut «save»“ …darf sich in Kuba übrigens nicht nur fühlen, wer sich am allgegenwärtigen „Schutzmann“ erfreuen mag, sondern auch, wer sich von Lotti verschaukeln lässt, der zwar mithin kaum Englisch -und eingestandenermaßen gar kein Spanisch- kann, aber voll den Durchblick hat.

Die gute Idee, „ideologische Keulen“ zu denunzieren, hat er sich übrigens fein abgeguckt, man mag gar nicht sagen, von wem. Fulminant auf jeden Fall, wie er die Keulen ins Leere schlagen lässt: der „Maximo Líder“ -Kubasprech für Gröfaz- hat also „die Prostitution“ „ausgemerzt“. Schön, wie Lotti sich wieder ganz unbefangen beim Wörterbuch seiner Feinde bedient, und niemanden ist es aufgefallen – aber das taz-Korrektorat kann ja auch kein Englisch. Lotti stellt fest, dass Touristen „jede Dienstleistung, jeder Spaß, jede verrückte Idee angeboten“ wird. Dialektisch nicht ohne Raffinesse sein Nachweis, dass es sich dabei im Rahmen entspannter paläosozialistischen Naturalienwirtschaft nur um Dienstleister handelt, die „neugierig“ sind, „viel Zeit“ haben, und sich „über ein kleines Geschenk“ freuen. Mit Prostitution habe das nix zu tun, großes Indianerehrenwort, und wenn -ein delikater Vorbehalt-, geschieht’s jedenfalls nie so penetrant wie „in der Oranienstraße in Berlin“. 1:0 im Systemvergleich, da hat der socialismo mal wieder gesiegt.

Im weiteren Verlauf des Ergusses deutet Lotti auch noch an, dass er mehr als nur einmal solche Geschenke verteilt hat, und -hey!- dabei wurde nicht „entfremdet“ „künstlich [ge]stöhnt“, denn die Kubanerin hat beim Geschenke Verdienen Ehre im Leib. Hurenehre kann’s nicht sein, dass hat Lotti ja bewiesen, also war’s die Ehre von nichtentfremdeten freundlichen Menschen. Am Ende bekommt der Lotterich dann noch Rum *und* Liebe umsonst, da hatte sich sein ebenso erhitztes wie regimefreundliches Delirieren offenbar schon rumgesprochen und ausgezahlt – bargeldlos, se comprende.

Tötet Lotti! …na gut, dass kann man so weder sagen noch meinen – also, liebe tazetten, haut ihm wenigstens ein paar vor die Ömme, und wenn auch das zuviel verlangt sein sollte, schickt seine Testberichte doch zukünftig an die Sankt-Pauli Nachrichten weiter. taz muss mal wieder nicht sein.

1 Kommentar »

  1. An der das/dass Schwaeche kann man arbeiten, aber der vollkommene, jungfraeuliche, rehimschweinwerferlichthaftige und leider komplett fehlgeleitete – weil ahnungslose – ironieresistente Beissreflex, da sehe ich schwarz. Da feiern Selbstueberschaetzung und Merkbefreitheit schon zu lange Hochzeit, dass steht fest.

    Kommentar von James W. — 20. Juli 2007 @ 00:21:36 |Antworten


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