Blütenlese

7. August 2007

Ein Mann sieht grün

Filed under: achgut,Henryk M. Broder — by M. M. @ 18:37:30

Aiman Mazyek, der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, spricht sich gegen den „Guillotinen-Islam“ aus – zu schön, um war zu sein, schön genug aber, um sogar von Henryk M. Broder kritiklos veröffentlicht zu werden.

Der Duktus des Texts lässt die sehnlich erwartete muslimische radikale Selbstkritik vermuten, die clever gewählte Wortbildung „Guillotinen-Islam ist geradezu verstörend, letztlich wird aber nur die alte Mär aufgetischt: Islamismus ist eine Fehlentwicklung und hat mit dem richtig verstandenen Islam nichts zu tun.

Es unterbleibt der Hinweis darauf, dass dem Islam Gewalt, Repression, Reaktion, Frauen-, Schwulen- und Menschenfeindlichkeit sowie Autoritarismus theologisch bzw. rechtlich immanent ist – in allen relevanten, d.h.Einfluss habenden Interpretationen. Dies wiederum ist ursächlich für den Islamismus und das derzeitige zivilisatorische Elend der islamischen Welt, als pars pro toto sprechen die Arab Human Development Reports der UNDP Bände.

Vor al-Ghazali war der Haupteinfluss für den Fiqh als islamische Leitwissenschaft die nichtislamische -vor allem- griechischen Philosophie. Al-Ghazali hat dies beendet, mit der Folge gesellschaftlicher, wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Stagnation, bis hin zur Regression. Geändert hat sich daran bis heute nichts, nicht mal bei Reformsimulanten wie Tariq Ramadan. (*)

Mazyek erwähnt die vielen „ungerecht behandelten, gefolterten und getöteten Muslime in der Welt“, worauf die Islamisten „richtigerweise“ hinwiesen – um dies dann böswillig zu „instrumentalisieren“ – Mazyek klärt aber nicht, wer für 99% dieses Elends verantwortlich sind: Muslime. Die Botschaft des Islams laute: „Nicht über die Macht, sondern über die Moral!“ …sei was auch immer zu erreichen. Die islamische Eroberung des Byzantinischen Reichs, Persiens und Indiens sowie das dort eingeführte Rechtsinstitut der Dhimma, das Nichtmuslimen mindere Rechte zuweist, spricht dem Hohn, auch das Schicksal der Apostaten, die in vielen islamischen Ländern von Rechts wegen getötet oder mindestens strafrechtlich belangt werden, wobei Tod und Diskriminierung in allen islamischen Ländern -und letztlich weltweit- drohen, vom islamischen Verständnis für Presse- und Meinungsfreiheit ganz zu schweigen.

Nichts davon wird angesprochen. Ausnahmsweise mal nicht die Simulation des Dialogs, sondern der Selbstkritik.

* Ralph Ghadban: Tariq Ramadan und der Kampf der Kulturen,
   p.9, Absatz 3 u. 4

1 Kommentar »

  1. Ja, Broder ist selbst immer so generös gelassen –
    http://www.campodecriptana.de/blog/2006/11/24/627.html

    Kommentar von TanjaK — 18. November 2007 @ 16:20:31 |Antworten


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