Blütenlese

19. Oktober 2007

Jenna, Norman und Kermit

Die Oxford Union Society, auch schlicht als Oxford Union bekannt, ist ein privater Debattierklub der City of Oxford. 1823 gegründet, bot sie schon manchem später prominenten britischen Politiker Gelegenheit, sich den nötigen rhetorischen Schliff anzueignen.

Dass sie als britische Institution auch Humor zeigt – ein Ruf verpflichtet-, bewies sie mit einer Rednerliste, die u.a. O.J. Simpson, Jenna Jameson, Ron Jeremy, Michael Jackson, Jerry Falwell sowie Kermit den Frosch aufführte. Im Oktober 2007 war es wieder Zeit für eine Pointe: Norman Finkelstein durfte Israels offizielle Zweistaatenposition vertreten und fand somit in o.g. illustrer Runde ganz zu sich selbst. Bei achgut stört man sich mit Alan Dershowitz daran – das tat nicht Not.

norman-finkelstein
Norman verteidigt die Zweistaatenposition…

jenna-jameson
Jenna auch

michael-jackson Michael weiss nicht so recht.


Bildrechte: 1, 2, 3

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18. Oktober 2007

Ein Institut mit Verantwortung

Filed under: Sabine Schiffer — by M. M. @ 01:18:34
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Das Erlangenener Institut für, nun, Medienverantwortung veranstaltet in der Woche vom 12. bis 19. November 2007 in der VHS Erlangen die Medienpädagogische Woche 2007. Interessierten Kreise sei gesagt: die Veranstaltung ist kommunal finanziert.

Ist das Institut mal nicht in kommunaler Verantwortung, räumt es, u.a. basierend auf Jürgen Elsässers Recherchen“, mit „Verschwörungstheorien“ auf. Löblicherweise wird spezifiziert: Auch „falsch verstandene Schlussfolgerung“ eines „implizierten Aufklärungsdogmas“ seien von übel, zudem habe die „institutionelle Trennung von Staat und Kirche … sicher einiges für sich“, allerdings habe sich gleichzeitig damit „eine Vorstellung Bahn gebrochen“, die „zumindest einseitig“ sei: wie mag die andere Seite aussehen? Aufklärung sei schön und gut, aber „den Frieden“ habe „sie uns (bisher) nicht gebracht“. Die Klammer lässt Hoffnung, das gefällt, und insofern „möchte“ man die USA nur „zum Verlassen der Nato aufzufordern“, tut es aber nicht – es lebe der performative Diskurs, der die Dinge offen lässt. Die Stadt Erlangen als Sponsor tut auf jeden Fall ihr Äußerstes, um Obskurantismus im Keim zu ersticken.

Rühriges Herz der Bescherung ist die den cognoscenti vertraute Dr. Sabine Schiffer, welcher von Erhard Arendt und Anis Hamadeh, ebenso bekannt, den ihr gebührenden Raum freigehalten wird. Wenn Dr. Schiffer nicht gerade einen Blick auf den antisemitischen Diskurs wirft, lässt sie dem Islam intensiv Gerechtigkeit widerfahren – was für Äquidistanz, aber auch für den in diesem Diskurs bitter notwendigen, selbstausgestellten Persilschein sorgt. Sneaky bitch, würde es roheren Naturen entfahren, doch die haben hier Hausverbot.

Herr Broder, sollten Sie dies lesen: Das Thema nehme ich Ihnen ja sonst übel – aber den Drecksverein dürfense gern ’n bisschen foltern.


17. Oktober 2007

Old dogs do learn new tricks, sometimes

Claus Leggewie, taz vom 30.01.2007:

Wider das wachsende Misstrauen
Eine vorurteilslose Debatte und Forschung über Islam und Moderne kann nur erreichen, wer endlich auf Kampfbegriffe wie Islamophobie und Islamofaschismus verzichtet

Olle Kamelle, aber glatt übersehen – Claus Leggewie, der Allesversteher höchstderoselbst, ist nun doch:

  • gegen den „Kampfbegriff“ Islamophobie
  • für eine „selbstbewusste Erkennung des Gegners“
  • für eine „selbstreflexive ‚Gegnerforschung'“
  • für eine „vorurteilslose“ „Debatte und Forschung über Islam und Moderne“ „ohne die Scheuklappen politischer Korrektheit“

Yeah! Sock it to them, Leggman! You’re my man now. Dimitto tibi debita tua.
Auszüge:

Nicht alles, wo Islamophobie draufsteht, ist aber tatsächlich islamfeindlich. Der Kampfbegriff stammt aus dem Vokabular einer Anti-Rassismus-Organisation, dem britischen Runnymede Trust, der 1997 im Sinne eines politisch besonders korrekten Multiculturalism eine lange Liste von Kritiktabus vorgelegt hat: Den Islam behandelt demnach schon feindlich, wer ihn als „politische Ideologie“ ansieht, „die für politische und militärische Vorteile genutzt wird“ oder wer „Kritik des Islam ‚am Westen‘ pauschal ablehnt“.

Ungeachtet dessen tut die selbstbewusste Erkennung des Gegners und eine selbstreflexive „Gegnerforschung“ (Wolf Lepenies) Not. Das hat der letztjährige Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels – zum Erstaunen der Paulskirche und einer pazifistisch gestimmten Öffentlichkeit – weniger der überforderten Islam- als der gesamten Kulturwissenschaft aufgegeben. Dabei verzichtete er auf jeden bellizistischen Schlenker im „Krieg der Kulturen“.

Auf die Einlösung dieses Postulats in der öffentlichen Debatte wie im engeren Feld der Kulturwissenschaften wartet man. Schlagwörter und Kampfbegriffe wie Islamophobie und Islamofaschismus stehen nur im Weg, wenn endlich eine Debatte und Forschung über Islam und Moderne beginnen soll, die vorurteilslos und ohne die Scheuklappen politischer Korrektheit zu den umstrittenen Sachen selbst kommt.

Was will man mehr.

Dazu aus aktuellen Anlass etwas Schleichwerbung – steigert das Wohlbefinden zusätzlich. Off topic – deswegen zum Überspringen blau markiert:

Da Deutschlandradio und DLF, von Radio Multikulti und Funkhaus Europa ganz zu schweigen (musikalisch durchaus Leib- und Magen Sender dieses Hauses) , ohne 10%igen Islamanteil in Nachrichten und Redaktion nicht auskommen mögen, empfiehlt sich last.fm als Internetradio.

Pandora.com ist zwar um einiges empfehlenswerter, doch leider hat die GEZ den Amis in Deutschland den Saft abgedreht – Verschwörungstheorien bieten sich an …just kidding. Mit einem Proxy Server als Notbehelf könnte sich zwar auch der gemeine Teutone aus Oer-Erckenschwick als California Beach Boy ausgeben, leider funzt die Sache trotzdem nicht so recht, as Oer-Erckenschwick’s ghetto boyz might say.

Richtig praktisch ist last.fm allerdings nur mit software-download und Registrierung, aber was soll’s: Marvin Gaye oder Nusrat Fateh Ali Khan als Tag einstellen, Leggewies -etwas verspäteten- Geistesblitz durchlesen (in der taz, of all places…), und entspannen – noch ist Polen nicht verloren.


  • taz vom 30.01.2007:
    taz.de/index.php?id=archivseite&dig=2007/01/30/a0163

  • übernommen von:
    qantara.de/webcom/show_article.php/_c-469/_nr-639/i.html

    Von Quantara, dem offiziösen Wirtschaftsförderungsorgan Internetportal der Republik on everything lucrative Islamic? Wo das fromme Groupie J. Gerlach schon mal Murad Hoffmann als dem „weise[n] Mann des deutschen Islam“ schmeichelt – und vor Erregung vergisst, wie ihr Held sich schreibt? Obwohl -oder weil- der das „islamische Minderheitenrecht“ als „das liberalste Statut für Andersgläubige“ anerkennt, „das die Welt bis heute gesehen oder normiert hat“? Auf zentralrat.de, der Site des Zentralrats der Muslime? Mit dem Schäuble konferiert, um das Schlimmste, tja, zu vermeiden?

    Jau. Zeichen und Wunder? Nein, leider nur das obligatorische Feigenblatt dann und wann, damit der Rundfunkrat nicht doch noch mal hustet.

  • Wie bitte – Claus Leggewie ein „Allesversteher“? Aber ja:
    Gegen Leggewiesierung und Heitmeyerei im Antifaschismus
    Ursel Döhmann, Andres Garcia und Peter Kratz
    September 1989
    bifff-berlin.de/Streit.htm
    (Vorsicht: Dipl. Psych. P. Kratz zeigt der Welt gerne als Einzelkämpfer, wo oben und unten ist, aber gelegentlich hat er Recht)

9. Oktober 2007

Islamkritik – verkürzt und weichgespült

Bei achgut und fdog freut man sich über Richard Herzinger, der in einem gründlich belegtem Artikel in der NZZ zurecht Parallelen zwischen der RAF und dem islamischen Terror zieht. Diese Einschätzung Herzingers ist allerdings apart:

Und die Anstösse der radikalen Studenten zu grundlegenden Reformen waren inzwischen in eine breite gesellschaftliche Debatte über eine emanzipatorische Erneuerung der Republik eingeflossen. Auch hier gibt es eine Parallele zur Gegenwart: Islamistische Extremisten in Deutschland greifen ausgerechnet zu einem Zeitpunkt zur Gewalt, da die Anerkennung und Integration muslimischer Gemeinden endlich Gegenstand ernsthafter politisch-gesellschaftlicher Bestrebungen geworden ist.

Nur 10, bestenfalls 20% der ca. 4 Mio. Menschen aus islamischen Ländern in Deutschland sind Moscheebesucher. Diese Gemeinden wiederum sind von Muslimbrüderschaft, Milli Görüs und anderen islamistischen Vereinen beherrscht, die sich nicht einmal auf der Islamkonferenz entblödeten, den Aleviten das Bekenntnis zum sunnitischen Islam abzuverlangen. Ohne Erfolg, weswegen die Alevis vom neugegründeten Kooperationsrat der Muslime ausgeschlossen wurden. Durchaus konsequent, denn es handelt sich um die einzige islamische Gemeinschaft, die über Jahrhunderte blutige Verfolgung durch Sunniten und Schiiten ertrug, weil sie die Scharia -zudem mit anderen Inhalten- lediglich als spirituellen Weg interpretierte, und die islamische Geschlechterapartheid nicht nur als Lippenbekenntnis ablehnte, sondern auch im Alltag und Ritus lebte – und lebt. Das Bekenntnis zu Menschenrechten und Grundgesetz ist dem von der Muslimbrüderschaft gegründetem Zentralrat der Muslime nur unter schariatischen Vorbehalt möglich, was auch der Linie der Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam entspricht, zu der sich die Organisation der islamischen Konferenz mit ihren 57 Mitgliedsländern als Desiderat bekennt.

Warum der radikale Minderheit unter den hier lebenden Muslimen mit ihren Gemeinden „Anerkennung“ gebührt, erschließt sich nicht, ebensowenig, warum ihre Aufwertung als Vertreter des Islams in Deutschland ein Beitrag zur „Integration“ und nicht zur sich weiter vertiefenden Segregation sein soll. Am allerwenigsten leuchtet die Beurteilung dieser Vorgänge als „emanzipatorische Erneuerung“ ein, analog zu „ernsthafte[n] politisch-gesellschaftliche[n] Bestrebungen, welche die 68er tatsächlich hatten.

N.B: ernsthafte politisch-gesellschaftliche Bestrebungen haben muslimisch Reaktionäre auch (hier ein Beispiel des Islamrats) – emanzipatorisch sind diese aber nur im Sinne der Emanzipation von der bestehenden Gesellschaftsordnung.

2. Oktober 2007

Same procedure as every year

Filed under: Abu Bakr Rieger,Ali Kizilkaya,Islamrat,Milli Görüs — by M. M. @ 22:59:07

Nachdem seine volksverhetzende Rede von 1993 durch die Erwähnung im Spiegel mit dreizehnjähriger Verspätung einem breiterem Publikum bekannt wurde, ist Abu Bakr Rieger als stellvertretender Vorsitzenden des Islamrats zurückgetreten.

Allerdings ist nicht Rieger das Problem, denn die Verbindung von Islam und Nationalsozialismus ist alles andere als selten – das Problem ist der Islamrat, mitbegründet von der Milli Görüs des Islamisten und Antisemiten Necmettin Erbakan. Sie hat, durchaus konsequent, Rieger in ihren Vorstand wählt, obwohl sein Rede seit Jahren bekannt ist, und er sich auch seit Jahren mit diesen Vorfall beschäftigt – allerdings nur dunkel andeutend als nicht näher benanntes Gerücht und Denunziation.

Ein Problem sind Medien, die diese Rede jahrelang ignoriert und das Video nicht publiziert haben, obwohl es seit Jahren bei der Berliner Journalistin Claudia Dantschke einzusehen war.

Ein Problem in Nadelstreifen ist der Innenminister, der die Unappetitlichkeit seiner Gesprächspartner kennt, aber trotzdem mit ihnen konferiert und sie als Vertreter des Islams in Deutschland aufwertet.

Ein Problem ist der Vorsitzende des Islamrats, das aus unerfindlichen Gründen als integer geltende Mitglied der Milli Görüs Ali Kizilkaya, der es noch gestern bei einem Rüffel bewenden lassen wollte, und mit seinem Vorstandskollegen erst umschwenkte, als sie bemerkten, dass sie die Reaktion der Öffentlichkeit falsch eingeschätzt hatten.

Das Problem sind islamische Interessenvertretungen, die auch Infames und Offensichtliches stets dementieren und aussitzen, bis es nicht mehr zu dementieren ist – und ungeniert die nächste Verteidigunglinie beziehen.

Das Problem sind Politikdarsteller wie der Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach, der erst zurecht den Abbruch des Gesprächs mit dem Islamrat fordert, dann aber erwartbar einknickt, und es mit Riegers Rücktritt gut sein lässt.


  • spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,508870,00.html
  • de.wikipedia.org/wiki/Islamrat_f%C3%BCr_die_Bundesrepublik_Deutschland
  • de.wikipedia.org/wiki/Necmettin_Erbakan#Positionen
  • abubakrrieger.de/page.cgi?key=9&nr=91
  • abubakrrieger.de/page.cgi?key=9&nr=628
  • zentrum-demokratische-kultur.de/pdf/Islamistischer_Antisemitismus.pdf
  • spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,509065,00.html
  • taz.de/index.php?id=archivseite&ressort=in&dig=2002/01/30/a0052

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