Blütenlese

17. Oktober 2007

Old dogs do learn new tricks, sometimes

Claus Leggewie, taz vom 30.01.2007:

Wider das wachsende Misstrauen
Eine vorurteilslose Debatte und Forschung über Islam und Moderne kann nur erreichen, wer endlich auf Kampfbegriffe wie Islamophobie und Islamofaschismus verzichtet

Olle Kamelle, aber glatt übersehen – Claus Leggewie, der Allesversteher höchstderoselbst, ist nun doch:

  • gegen den „Kampfbegriff“ Islamophobie
  • für eine „selbstbewusste Erkennung des Gegners“
  • für eine „selbstreflexive ‚Gegnerforschung'“
  • für eine „vorurteilslose“ „Debatte und Forschung über Islam und Moderne“ „ohne die Scheuklappen politischer Korrektheit“

Yeah! Sock it to them, Leggman! You’re my man now. Dimitto tibi debita tua.
Auszüge:

Nicht alles, wo Islamophobie draufsteht, ist aber tatsächlich islamfeindlich. Der Kampfbegriff stammt aus dem Vokabular einer Anti-Rassismus-Organisation, dem britischen Runnymede Trust, der 1997 im Sinne eines politisch besonders korrekten Multiculturalism eine lange Liste von Kritiktabus vorgelegt hat: Den Islam behandelt demnach schon feindlich, wer ihn als „politische Ideologie“ ansieht, „die für politische und militärische Vorteile genutzt wird“ oder wer „Kritik des Islam ‚am Westen‘ pauschal ablehnt“.

Ungeachtet dessen tut die selbstbewusste Erkennung des Gegners und eine selbstreflexive „Gegnerforschung“ (Wolf Lepenies) Not. Das hat der letztjährige Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels – zum Erstaunen der Paulskirche und einer pazifistisch gestimmten Öffentlichkeit – weniger der überforderten Islam- als der gesamten Kulturwissenschaft aufgegeben. Dabei verzichtete er auf jeden bellizistischen Schlenker im „Krieg der Kulturen“.

Auf die Einlösung dieses Postulats in der öffentlichen Debatte wie im engeren Feld der Kulturwissenschaften wartet man. Schlagwörter und Kampfbegriffe wie Islamophobie und Islamofaschismus stehen nur im Weg, wenn endlich eine Debatte und Forschung über Islam und Moderne beginnen soll, die vorurteilslos und ohne die Scheuklappen politischer Korrektheit zu den umstrittenen Sachen selbst kommt.

Was will man mehr.

Dazu aus aktuellen Anlass etwas Schleichwerbung – steigert das Wohlbefinden zusätzlich. Off topic – deswegen zum Überspringen blau markiert:

Da Deutschlandradio und DLF, von Radio Multikulti und Funkhaus Europa ganz zu schweigen (musikalisch durchaus Leib- und Magen Sender dieses Hauses) , ohne 10%igen Islamanteil in Nachrichten und Redaktion nicht auskommen mögen, empfiehlt sich last.fm als Internetradio.

Pandora.com ist zwar um einiges empfehlenswerter, doch leider hat die GEZ den Amis in Deutschland den Saft abgedreht – Verschwörungstheorien bieten sich an …just kidding. Mit einem Proxy Server als Notbehelf könnte sich zwar auch der gemeine Teutone aus Oer-Erckenschwick als California Beach Boy ausgeben, leider funzt die Sache trotzdem nicht so recht, as Oer-Erckenschwick’s ghetto boyz might say.

Richtig praktisch ist last.fm allerdings nur mit software-download und Registrierung, aber was soll’s: Marvin Gaye oder Nusrat Fateh Ali Khan als Tag einstellen, Leggewies -etwas verspäteten- Geistesblitz durchlesen (in der taz, of all places…), und entspannen – noch ist Polen nicht verloren.


  • taz vom 30.01.2007:
    taz.de/index.php?id=archivseite&dig=2007/01/30/a0163

  • übernommen von:
    qantara.de/webcom/show_article.php/_c-469/_nr-639/i.html

    Von Quantara, dem offiziösen Wirtschaftsförderungsorgan Internetportal der Republik on everything lucrative Islamic? Wo das fromme Groupie J. Gerlach schon mal Murad Hoffmann als dem „weise[n] Mann des deutschen Islam“ schmeichelt – und vor Erregung vergisst, wie ihr Held sich schreibt? Obwohl -oder weil- der das „islamische Minderheitenrecht“ als „das liberalste Statut für Andersgläubige“ anerkennt, „das die Welt bis heute gesehen oder normiert hat“? Auf zentralrat.de, der Site des Zentralrats der Muslime? Mit dem Schäuble konferiert, um das Schlimmste, tja, zu vermeiden?

    Jau. Zeichen und Wunder? Nein, leider nur das obligatorische Feigenblatt dann und wann, damit der Rundfunkrat nicht doch noch mal hustet.

  • Wie bitte – Claus Leggewie ein „Allesversteher“? Aber ja:
    Gegen Leggewiesierung und Heitmeyerei im Antifaschismus
    Ursel Döhmann, Andres Garcia und Peter Kratz
    September 1989
    bifff-berlin.de/Streit.htm
    (Vorsicht: Dipl. Psych. P. Kratz zeigt der Welt gerne als Einzelkämpfer, wo oben und unten ist, aber gelegentlich hat er Recht)

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