Blütenlese

7. Januar 2008

Tacheles – gesotten, geschmort & gepfeffert

Filed under: Deutschlandfunk — by M. M. @ 09:49:03
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Jürgen Krönig kocht im Deutschlandfunk:

[…]

Eines sollte klar sein. Die Mantra von Arbeitslosigkeit, Armut und Diskriminierung als Erklärung für diverse Phänomene, das Abfackeln von Autos in Frankreichs banlieus, serielle Gewaltdelikte Jugendlicher in Deutschland oder für Englands Terrorbereite junge Muslime, greift nicht. In Europa lassen sich nach 50 Jahren Erfahrung einige Erkenntnisse nicht länger leugnen. Massenhafte Einwanderung, aus demografischen wie ökonomischen Gründen bewusst gefördert, schafft erhebliche Probleme, für Einwanderer wie einheimische Bevölkerung. Kosten und Nutzen sind nicht gleichmäßig verteilt. Wohin man auch schaut, ob nach Frankreich, Großbritannien oder Deutschland, die Integration der muslimischen Minorität stößt dabei auf besondere Schwierigkeiten.

Manch ethnische Gruppen vermögen sich offenkundig besser an demokratische Industriegesellschaften anzupassen als andere Minderheiten. Im verhuschten, multikulturellen Diskurs wird viel zu selten erörtert, ob nicht auch interne, kulturelle wie religiöse Gründe, die sozioökonomische Stellung bestimmter Minoritäten erklären könnten. Die Statistiken enthalten dazu eine klare Botschaft: Muslimische Einwanderer und ihre Kinder sind in aller Regel ärmer, eher arbeitslos und schlechter ausgebildet als Immigranten aus Indien oder anderen Ländern Asiens. In Frankreich, Deutschland wie Großbritannien leben fast 40 Prozent der muslimischen Bevölkerungsgruppen von Zuwendungen des Staates, ganz anders als Chinesen oder Inder, unter denen Arbeitslosigkeit fast unbekannt ist. Die weit verbreitete Übung, muslimischen Frauen Erziehung und persönliche Entfaltung zu verweigern, trägt dazu bei, muslimische Armut zu perpetuieren. Im Westen hängt wirtschaftliches Wohlergehen, ob man das bedauert oder nicht, nun mal von zwei Einkommen pro Familie ab.

Nicht nur in Deutschland wissen Polizei, Justizbehörden und Politiker seit langem, dass junge Menschen mit, wie es so schön heißt, Immigrationshintergrund einen überproportional hohen Anteil an kriminellen Delikten begehen. Sie verstärken die Reihen der einheimischen Unterschicht, die auf die Normen der Mehrheitsgesellschaft pfeift. England wurde 2007 durch eine Serie jugendlicher Messerstechereien und Todesschüsse in regelrechte moralische Panik gestürzt, obgleich sich der Staat dort bereits diverse Instrumente wie Asbos, antisocial behaviour orders, für den Kampf gegen Jugendgewalt zugelegt hatte.

[…]

17.01 – Nachtrag: König hat das Thema jetzt in der Zeit ausführlicher behandelt.

1 Kommentar »

  1. Interessanter Hinweis. Ich habe mir schon überlegt, ob die Unberechenbarkeit muslimischer Jugendlicher, die in Deutschland geboren sind, auf Anomie zurückzuführen ist, d.h. die gegenseitige Infragestellung westlicher und orientalischer Wert- und Gesellschaftsordnungen, denen sie ausgesetzt sind.

    Kommentar von BvG — 4. Februar 2008 @ 03:03:57 |Antworten


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