Blütenlese

1. März 2008

Freie Entscheidung für alternativlose Demenz

Filed under: DDR — by M. M. @ 15:47:30
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Flake Lorenz, Ex-Punk und Keyboarder der deutschen Popgruppe Rammstein fehlt, so sein Bekenntnis im Spiegel, die DDR. Bisher hielt das Feuilleton der Gruppe vor, mit rollendem R, Auftritten in Lack, Leder und Flammenwerfer eine faschistoide Ästhetik zu pflegen sowie einfältig national zu schwurbeln – Wikipedia bietet dazu eine Presseschau. Gitarrist Paul Landers wehrte sich gegen diesen Eindruck – bei Rammstein handele es sich um linke Patrioten. Flake stellt jetzt klar, was von denen zu erwarten ist:

Im Osten gab es ja auch kein System zum Kritisieren. Wir fanden ja die DDR gut, schon zu Ost-Zeiten. Wir konnten machen, was wir wollten, wir hatten keine Existenzängste. Ich fand alles gut. Auch die Mauer war für mich eine klare Sache: Da stand dran „Wer versucht rüberzugehen, wird erschossen.“ Und wenn man dann rübergeht, weiß man, dass man erschossen werden kann. Man hatte also immer eine Alternative.

Ich musste mich damals auch entscheiden: Ich wollte auf keinen Fall zur Armee, man musste aber hin, sonst konnte man sogar ins Gefängnis kommen. Trotzdem habe ich mich dagegen entschieden. Dafür durfte ich dann nicht studieren und konnte nicht Arzt werden. Das war für mich eine freie Entscheidung. Für mich bedeutet Freiheit, dass man die Wahl hat zu tun, was man will. Und das hat für mich im Osten sehr gut funktioniert. Und jetzt passiert durch den Kapitalismus so viel Dreck hier um mich herum. Weil so viele Menschen irgendwelchen Mist machen, nur um Geld zu verdienen. Das nervt mich.

Bis heute fehlt mir die DDR sehr. Mehr als die Bands von damals.

Das für DIE LINKE kandidierenden DKP Mitglied Christel Wegner postulierte kürzlich die Notwendigkeit einer neuen Stasi zur Abwehr „reaktionärer Tendenzen“. Fraktionschef Gregor Gysi mutmaßte, soviel provokante und parteischädigende Dummheit sei nicht möglich, dahinter müsse wohl -cui bono!- der Verfassungsschutz stecken, zudem befürchtete er, dass der Tagesspiegel sich nicht trauen würde, diese explosive Mutmaßung zu veröffentlichen. Dass sich hinter Eloquenz, Bildung und Charme ein Realitätsbezug ganz eigener Art verbarg, wurde selten so klar.

Sofern Popmusiker Flake nicht auch, wie Wegner, von Schlapphüten gekauft oder unter Drogen gesetzt wurde, beweist er, dass zwischen Himmel und Erde mehr ostalgisches Grauen wabert, als sich bürgerliche Schulweisheit träumen lässt. Eine Fußnote: Wenn der nostalgische Antikapitalist nicht gerade quälend damit beschäftigt ist, sich am kapitalistisch verursachten Dreck zu stören, und am Mist, den Menschen machen, nur um Geld zu verdienen, verleiht er Luxusautomobile im noblen Berliner Meilenwerk – Leiden mit Niveau.

1 Kommentar »

  1. Stockholm-Syndrom??

    Kommentar von Eloman — 9. Juni 2008 @ 14:23:34 |Antworten


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