Blütenlese

1. Januar 2008

Eine mediale Intervention…

Filed under: Achse des Guten — by M. M. @ 20:34:12
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…aus gegebenem Anlass. Sibylle B. wohnt in der Schweiz, dichtet bei der Achse des Guten und wärmt das kalte Herz des Blogwarts, auch wenn sie mal irrt. Es gilt deswegen:

Sibylle Berg, die meist Durchblick hat

Frau Berg. Ihre Reime sind feine Reime, die Prosa funkelt. Sie hat mächtig Durchblick. Meistens.
Die Welt ist kalt, das All verweht,
Frau Berg friert sehr, die Lust vergeht.
Doch wer sorgt, hat auch Likör,
nebst anderm Zubehör:
Friede, Freude, Eierkuchen
sollten alle mal versuchen,
die sonst den werten Mitmensch schinden,
nur dies allein steigere Wohlbefinden.
Schon kuscheln Nazi, Punk und Islamist,
weil alles so schön einfach ist.
In Zürich lockt das Alpenglühn,
wer will da Konsequenz bemühn…

And now for something quaintly related, in diesem Zusammenhang allerdings garantiert nicht empfohlen: der „Scheibenwischer“ Jahresrückblick vom 29. Dezember, in dem Hagen Rether sage und schreibe mehr „Kuschelpolitik“ einfordert – denn ohne diese sähe es „bei uns sonst aus wie im Nahen Osten“, wo sie dringend fehle. Auch dort findet Dialog in der Regel auf Augenhöhe statt, meist allerdings auf derjenigen wohlfeil zu erstehender Kalschnikows – Schmuseeinheiten aggressiv verheulter Kabarettisten würden zweifellos Wunder wirken. Es werde „nur noch tendenziös über den Islam berichtet“, greint er, dabei gäbe es die „Fundamentalisten“ doch „im Kölner Dom“. Da schlägt der Jammerlappen ganz tendenzfrei dem Fakt die Fresse ein.
Hagen Rether

Herr Rether. Im Gegensatz zu Frau Berg sieht er voll Scheiße aus (wie manch junger Mensch sagen würde). Es mochte ihn niemand fotografieren.
Einen hat er noch: „Ehrenmord“ heiße „bei uns Eifersuchtsdrama“, denn das weiß er eben, an Feministen der deviant-islamophilen Sorte wie Frau von Braun geschult: Setzt Mutti hierzulande Bauer Ewald oder Herrn Studienrat die Hörner auf, wird der am Arbeitsplatz solange gemobbt, bis er die Schlampe zur Hölle schickt, was idealerweise der Jüngstgeborene erledigt, da der nach verbüßter Jugendstrafe ja immer noch den Hof besorgen oder das Abi machen kann. „Wehe uns, wenn wieder die Moscheen brennen“ endet die Litanei – so dachte sicher auch Dieter Kunzelmann, als er bereits 196569 (s.u.) präventiv ein Bömbchen im Jüdischen Gemeindehaus legte, das denken sicher jene Rangen, die in ethnisch befreiten Zonen heute Schulen so judenfrei machen, wie sich das gehört. Egal – „spalten statt versöhnen“, davon singt auch Herr Rether im Wort zum Freitag. Kabarett ist, wenn man trotzdem lacht, während der Scheibenwischer im Minarett die Fenster putzt.
Bild S. Berg: K. Lütscher/Allegra

18. November 2007

Chávez gibt dem Affen Zucker: auch der Spiegel mag Süßes

Filed under: Achse des Guten,Der Spiegel,Hugo Chávez — by M. M. @ 14:58:03

Der Spiegel registriert mehrere Fehltritte Hugo Chávez‘ beim aktuellen Opec-Gipfel in Saudi-Arabien:

Präsident Hugo Chávez ist erneut aus der Rolle gefallen: Auf dem Opec-Gipfel in Saudi-Arabien bekreuzigte sich der Venezolaner vor Gastgeber König Abdullah und nahm in seiner Rede gleich mehrfach auf Christus Bezug – das ist nach den Gesetzen des islamischen Landes streng verboten. … Und Chávez provozierte wie so oft: Erst bekreuzigte er sich vor Gasteber König Abdullah von Saudi-Arabien – der Monarch trägt auch den Titel „Diener der zwei heiligen Moscheen“, weil in seinem Land die heiligen Stätten von Mekka und Medina liegen. Im Verlauf der 25-minütigen Rede, mit der Chávez über das angekündigte Zeitmaß weit hinausging, nahm der Venezolaner sodann zweimal explizit auf Christus Bezug, was nach den saudischen Gesetzen nicht zulässig ist. „Wir wissen, dass der einzige Weg des Friedens, wie es Christus gesagt hat, in der Gerechtigkeit liegt“, sagte Chávez unter anderem vor den Staats- und Regierungschefs der Organisation, die sich in einem luxuriösen Konferenzzentrum in Riad versammelt.

Autor O. M. Hartwich der libertär-unorthodoxen Achse des Guten geht noch weiter:

Welcher westliche Politiker, vielleicht sogar einer “christlichen” Partei, hätte sich das schon getraut? Wenn es um die Pflege der guten Beziehungen mit Saudi-Arabien geht, dann sehen diese nämlich gerne über die Unterdrückung des Christentums in dem Land hinweg.

Aber der Unterschied zwischen ihnen und Präsident Chávez besteht dann wohl darin, dass Venezuela bezüglich Saudi-Arabien keine strategischen Interessen hat. Und außerdem verfügt Venezuela schließlich auch über eigenes Öl.

Dr. Hartwich sieht offenkundig einen bewussten Angriff gegen saudische Bigotterie vorliegen – dass es sich aber nicht um die übliche Stoffeligkeit eines Trampels handeln möge, sondern um Rebellion gegen Chávez‘ islamische Verbündete im Kampf gegen den Westen und dessen Werte, ist wishful thinking. Sich zu bekreuzigen, ist für viele Lateinamerikaner lediglich ein Geste der Bestärkung oder Abwehr des Gesagten, die täglich mehrmals vorkommen kann: ein -dazu besonders impulsiver!- Caudillo macht da keine Ausnahme. Zum Islam steht Chávez ebenso wie z.B. der ehemalige spanische KP-Chef Santiago Carrillo, der kürzlich den Islam als „enorm starkes revolutionäres Instrument“ im Kampf gegen die USA und westliche Werte einordnete. Aus Chávez‘ Fehltritt mehr zu machen, als er ist, ist ein Schnellschuss, wie er auch beim Spiegel regelmäßig vorkommt.

Jesus ist als Prophet Isa eine verehrte Person des Islams, wenn auch in anderem theologischen Rahmen. Sich auf ihn zu beziehen, ist in Saudi-Arabien keinesfalls verboten – verboten ist dagegen Werbung für das Christentum oder die Darstellung Jesus als Sohn Gottes, ebenso wie andere christliche Glaubenslehren – diese dürfen nicht öffentlich gemacht werden. Chávez hat hier aber auf die Gerechtigkeit abgehoben, einem zentralen Begriff der islamischen Rechtslehre und Theologie, der meist bewusst als Gegensatz zur westlichen „Vergötterung“ der -in erster Linie auf das Individuum bezogenen- Freiheit konstruiert wird. Muslime sind theologisch gehalten, fromme(!) Christen (in gemessenen Grenzen!) zu respektieren – Chávez hat hier auf eine muslimische Hörerschaft abgezielt, um gewissermaßen unter Gläubigen den gemeinsamen Kampf gegen das Unrecht (USA/Israel) zu beschwören.

Chávez‘ spin doctors werden ihm dies formuliert haben – für ihn wäre es wohl zu clever. Egal wie, er hat hier -im Gegensatz zur Bekreuzigung- nichts falsch gemacht, wenn auch das Ansprechen religiöser Themen gegenüber Muslimen immer heikel ist. Die freudige Erregung der westlichen Presse beruht auf Wunschdenken: man vermeint hoffnungsfroh, einen Dissens zwischen Chávez und der islamischen Welt entdeckt zu haben – und näht ohnehin gern mit heißer Nadel.


  1. spiegel.de/politik/ausland/0,1518,518038,00.html
  2. achgut.com
  3. achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/hugo_chavez_in_neuer_mission
  4. de.wikipedia.org/wiki/Caudillo
  5. de.wikipedia.org/wiki/Santiago Carrillo
  6. alertadigital.com/index.php?option=com_content&task=view&id=7900&Itemid=110
  7. de.wikipedia.org/wiki/Isa_bin_Maryam
  8. de.wikipedia.org/wiki/Dhimma

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