Blütenlese

4. April 2014

Die Reihen fest geschlossen!

Mit dem Ruf “Allahu akbar!” wurde die deutsche Fotografin Anja Niedringhaus heute von einem afghanischem Polizisten erschossen, die Agentur AP berichtete darüber. Internationale Medien und eine Spitzenauswahl der deutschen Presse sind mit der Meldung unterschiedlich umgegangen:

International:

  • NY Times: …and shouting “Allahu akbar!” — God is great…
  • CNN: …yelled „Allahu akbar“ — „God is great“ — and opened fire…
  • Polskie Radio: …policjant i krzycząc „Bóg jest wielki“ otworzył…
  • La Vanguardia: …grito de „Alá es grande“ abrió fuego contra…
  • Nouvel Observateur: …a crié +Allah Akbar+ -„Dieu est grand“…
  • Boston Globe: …yelled ‘‘Allahu Akbar’’ — God is Great and…
  • Huffington Post: …the gunman yelled „Allahu Akbar“ and…
  • Miami Herald: …yelled „Allahu Akbar“ — God is Great — and…
  • NBC News: …yelled „Allahu Akbar“ — God is Great — and….
  • Washington Post: …yelled ‘Allahu Akbar’ — God is Great — …
  • CBS News: …yelled „Allahu Akbar“ – God is Great – and opened…
  • Tucuman Noticias: …gritó „¡Alá es grande!“ y abrió fuego con….

Die Zeit, taz, FR online, Spiegel online:

Presseschau um 18:30, je zwei Abfragen bei news.google.com.

Screenshots: news.google.com, um Weißraum gekürzte Ausschnitte

Hasnain Kazim von spiegel.de geht nichtsdestotrotz das Herz über:

Afghanistan – ihre Liebe, ihr Verderben […] Anja Niedringhaus hat Afghanistan geliebt […] dieses Mal lief alles schief.

In der Tat. Die FR sorgt sich um die guten Sitten ihrer Leser und löscht viele Kommentare, was einige der erwünschten Kommentatoren begrüßen. Die üblichen Verdächtigen vom AA dürfen „den feigen Anschlag in aller Schärfe“ verurteilen. [Nachtrag 6. April, 13:16. die FR hat nachgebessert ohne dies zu kennzeichnen, erwähnt das o.g. Zitat mittlerweile, meint aber weiterhin, die „Motive“ des Täters seien „zunächst unklar] Die taz weiß, das Frau Niedringhaus „von einem Polizisten erschossen worden“ ist. Immerhin, es hätte auch ein Islamist sein können – nicht auszudenken. Aber es war nur die Polizei, die ist manchmal etwas brutal – die taz residiert in Kreuzberg, die kennt sich aus. Allein die Zeit hat sich jetzt, um 19:59, entschlossen, der Wahrheit die Ehre zu geben. Sie zitiert dazu die englischsprachige Quelle im Original mit Einrückung. Das ist es weniger genierlich, die alte Tante kann gewissermaßen nichts dafür. [Nachtrag 6. April, 13:32. auch die Zeit hat nachgebessert ohne dies zu kennzeichnen und das Zitat jetzt in den Fließtext übernommen]

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1. Februar 2011

Der Würstchenexpress

Filed under: Der Spiegel,Fun — by M. M. @ 21:06:15
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taking the B Train

Screenshots aus dem Sprayer-Doku „Bombing, bis die Polizei kommt“, über das komplette Einfärben ganzer Züge.

Ab Minute 3:11 kommen zwei Bringschulden der Gesellschaft zur Sache:

befasst sich täglich, seit 21 Jahren

BAS2/GHS: „… Grafitti spielt in meinem Leben eine sehr große Rolle, dadurch dass ich es jetzt ja seit 21 Jahren, äh, mich täglich damit befasse, ist es eigentlich -ich habe keine Freundin seit 21 Jahren- also, isset somit eine der bedeutendsten Sachen im Leben, halt so…“

vom Leben gefickt, vom Arbeitsamt vernachlässigt

GLOK/HK: „…Du vernachlässigst deine Familie, deine sozialen Kontakte, oder die Arbeit -oder das Arbeitsamt-, also dir gehen auf jeden Fall ein Haufen Sachen durch die Lappen so, ja man lässt halt wirklich die Sachen die wirklich wichtig sind im Hintergrund stehen, und wenn man dann aus dem Traum erwacht, merkt man eigentlich, man hat eigentlich gar nichts…“

  • Bilder: spiegel.de, Screenshots, verkleinert

15. Oktober 2009

Spiegel Online: Die Welt geht unter. Fast

Filed under: Ökologie,Der Spiegel — by M. M. @ 22:05:27
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Der Spiegel: Arktis: Die große Schmelze

"Eisberge wird es natürlich trotzdem noch geben". Spiegelredakteure auch.

Der Spiegel berichtet:

73 Tage lang haben britische Forscher das Eis in der Arktis vermessen. Das Ergebnis: Die weiße Pracht schmilzt noch schneller dahin als ohnehin befürchtet. In zehn Jahren dürfte das Nordpolarmeer während der Sommermonate nahezu eisfrei sein.

und schließt:

Die Eisschmelze gehe „schneller als wir gedacht haben“, sagte Martin Sommerkorn, Klimaexperte der Naturschutzorganisation WWF. Das Abschmelzen der Polkappen könne unter anderem Überschwemmungen nach sich ziehen, von denen ein Viertel der Weltbevölkerung bedroht sei.

Das Meereis des Nordpols verdrängt soviel Wasser, wie es seinem spezifischen Gewicht entspricht – schmilzt es, steigt der Meerespiegel um keinen Millimeter – ein Glas, mit Wasser und Eiswürfeln bis zum Rand gefüllt, läuft beim Schmelzen der Würfel nicht über.

Ganz so dumm, wie es scheint, war der Verfasser -oder sein klimaforschender Stichwortgeber- allerdings nicht, denn im besorgten Fazit ist bauernschlau von Polkappen die Rede – nicht allerdings im Forschungsbericht, von dem der Artikel handelt, der befasst sich nur mit dem Nordpol.

Am Südpol wäre eine Eisschmelze in der Tat katastrophal, findet aber nicht statt, fand es auch nicht während des mittelalterlichen Klimaoptimums. Damals wurde in Grönland, Island, Norwegen Ackerbau und Viehzucht sowie bis hoch nach Schottland Weinbau betrieben, sehr zur Freude der Europäer, welche die nachfolgende Kälteeinbrüche bitter beklagten. Ebensowenig berichten asiatische oder islamische Chroniken von klimabedingter Not aus der Zeit, als Leif und Erik es sich im hohen Norden gut gehen ließen und Eisbären und Robben eben nicht ausstarben. Wahrscheinlich haben sie bei TUI im damals eisfreien Nordpolarmeer eine Kreuzfahrt gebucht und ihre Ernährung auf die Tageskarte des Bordrestaurants umgestellt.

Bild: Spiegel/AP, Screenshot, verkleinert

18. September 2009

Spiegel Online: Die Welt geht nicht unter. Leider

Filed under: Der Spiegel — by M. M. @ 21:06:55
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Der Spiegel: Salzseen in Südamerika: Fundort des seltenen Lithiums

Lithiumland ist abgebrannt. Nein, abgesoffen.

Der Spiegel barmt und jammert weiter:

Autobauer beschwören den Elektroantrieb als Technik der Zukunft. Doch ebenso wie Regierungen und Rohstoffkonzerne übersehen die Hersteller ein Problem: Es gibt auf der Erde zu wenig Lithium, um die geplanten Flotten von Hybrid- und Elektroautos anzutreiben. (more…)

11. Oktober 2008

Wenn’s Hühnerblut vom Messer spritzt

Filed under: Der Spiegel — by M. M. @ 00:20:57
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…dann geht’s dem Jud nochmal so gut – weiß zumindest die Ulli vom Spiegel. Dies ist die gute böse Mär: Im „jüdischen Glauben“ haben „sündige Menschen ihr Lebensrecht verwirkt“. Gelegentliches Knabenschlachten, wie gehabt, könnte zwar Abhilfe schaffen, aber Ulli und Palestinian Human Rights Watch würden es sofort einer alarmierten Öffentlichkeit melden, also begeht man im perfiden Zion jetzt ersatzweise Ritualmord an Hühnern – „vor allem streng gläubige Juden“ treiben es derart arg.

Das ist nicht nett, also hat Ulli zur Strafe die dunkel-drohende Silhouette des ewigen ultraorthodoxen Tierquälers vor die blau-weißen Farben Israels gesetzt. Die sind dem Frommen als Symbol eines gotteslästerlichen Staates zwar verhasst, aber hallo, wann hat Ulli schon mal Gelegenheit, den eklen zionistischen Fetzen adäquat kot- und blutbeschmiert in Szene zu setzen? Schließlich lässt sich so ein nicht zu vermeidender Artikel ebenso unvermeidlich bereits per Aufmacher vergiften. (more…)

27. Januar 2008

Exhausting Alternatives

Filed under: Der Spiegel — by M. M. @ 09:06:55
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Ulrike Putz vom Spiegel bringt einen Frontbericht aus dem Irak:
„Einst kamen sie, um die Iraker zu besiegen. Heute sollen US-Soldaten mit den ehemaligen Feinden Streife laufen und ihnen ihr Leben anvertrauen. Die neue Doktrin, die ‚Herzen und Hirne‘ der Iraker erreichen zu wollen, funktioniert – dennoch schlafen viele Marines neben ihrer geladenen Pistole.“

GI Joe and Iraqi pal

GI Joe and Iraqi pal. In that order.

„Sie sind jung, sie geben sich schneidig, unter den beigefarbenen Overalls der Wüstenkämpfer zeichnen sich Muskelberge ab. Wer sich keine Glatze geschoren hat, trägt das Haar nach Dienstvorschrift ‚High and Tight‘, an den Seiten kahl, auf dem Oberkopf raspelkurz: Die US-Marines des Außenpostens in der nordwest-irakischen Kleinstadt Rawah könnten für ein Rekrutierungsplakat der amerikanischen Elitetruppe Modell stehen.“

„Wären da nur nicht die Schnurrbärte. Behaarte Oberlippen sind äußerst untypisch für die Marines. Dass fast die ganze Kompanie sich einen Schnauzer stehen hat lassen, muss also Gründe haben: ‚Der Captain hat angeordnet, dass sich jeder, der kann, einen Schnurrbart wachsen lässt‘, erklärt ein Sergeant den Einheitslook. Im Irak, wo Schnauzbarttragen existenzieller Bestandteil des Mannseins ist, komme es bestimmt gut an, wenn man sich den lokalen Sitten anpasst, so die Überlegung“.

Der unter Entwicklungshelfern, Politologen und im AA kursierende Schnurrbartindex verdient in diesem Zusammenhang Erwähnung. Er postuliert eine eher unzufällige Korrelation zwischen autoritärer Staatsführung und dem Anteil der Schnurrbartträger einer Regierungsmannschaft. Egal: „The United States invariably does the right thing, after having exhausted every other alternative“.[1] Wollen wir es hoffen.

  1. Winston Churchill, angeblich

Foto: Ulrike Putz/Der Spiegel (Ausschnitt)

18. November 2007

Chávez gibt dem Affen Zucker: auch der Spiegel mag Süßes

Filed under: Achse des Guten,Der Spiegel,Hugo Chávez — by M. M. @ 14:58:03

Der Spiegel registriert mehrere Fehltritte Hugo Chávez‘ beim aktuellen Opec-Gipfel in Saudi-Arabien:

Präsident Hugo Chávez ist erneut aus der Rolle gefallen: Auf dem Opec-Gipfel in Saudi-Arabien bekreuzigte sich der Venezolaner vor Gastgeber König Abdullah und nahm in seiner Rede gleich mehrfach auf Christus Bezug – das ist nach den Gesetzen des islamischen Landes streng verboten. … Und Chávez provozierte wie so oft: Erst bekreuzigte er sich vor Gasteber König Abdullah von Saudi-Arabien – der Monarch trägt auch den Titel „Diener der zwei heiligen Moscheen“, weil in seinem Land die heiligen Stätten von Mekka und Medina liegen. Im Verlauf der 25-minütigen Rede, mit der Chávez über das angekündigte Zeitmaß weit hinausging, nahm der Venezolaner sodann zweimal explizit auf Christus Bezug, was nach den saudischen Gesetzen nicht zulässig ist. „Wir wissen, dass der einzige Weg des Friedens, wie es Christus gesagt hat, in der Gerechtigkeit liegt“, sagte Chávez unter anderem vor den Staats- und Regierungschefs der Organisation, die sich in einem luxuriösen Konferenzzentrum in Riad versammelt.

Autor O. M. Hartwich der libertär-unorthodoxen Achse des Guten geht noch weiter:

Welcher westliche Politiker, vielleicht sogar einer “christlichen” Partei, hätte sich das schon getraut? Wenn es um die Pflege der guten Beziehungen mit Saudi-Arabien geht, dann sehen diese nämlich gerne über die Unterdrückung des Christentums in dem Land hinweg.

Aber der Unterschied zwischen ihnen und Präsident Chávez besteht dann wohl darin, dass Venezuela bezüglich Saudi-Arabien keine strategischen Interessen hat. Und außerdem verfügt Venezuela schließlich auch über eigenes Öl.

Dr. Hartwich sieht offenkundig einen bewussten Angriff gegen saudische Bigotterie vorliegen – dass es sich aber nicht um die übliche Stoffeligkeit eines Trampels handeln möge, sondern um Rebellion gegen Chávez‘ islamische Verbündete im Kampf gegen den Westen und dessen Werte, ist wishful thinking. Sich zu bekreuzigen, ist für viele Lateinamerikaner lediglich ein Geste der Bestärkung oder Abwehr des Gesagten, die täglich mehrmals vorkommen kann: ein -dazu besonders impulsiver!- Caudillo macht da keine Ausnahme. Zum Islam steht Chávez ebenso wie z.B. der ehemalige spanische KP-Chef Santiago Carrillo, der kürzlich den Islam als „enorm starkes revolutionäres Instrument“ im Kampf gegen die USA und westliche Werte einordnete. Aus Chávez‘ Fehltritt mehr zu machen, als er ist, ist ein Schnellschuss, wie er auch beim Spiegel regelmäßig vorkommt.

Jesus ist als Prophet Isa eine verehrte Person des Islams, wenn auch in anderem theologischen Rahmen. Sich auf ihn zu beziehen, ist in Saudi-Arabien keinesfalls verboten – verboten ist dagegen Werbung für das Christentum oder die Darstellung Jesus als Sohn Gottes, ebenso wie andere christliche Glaubenslehren – diese dürfen nicht öffentlich gemacht werden. Chávez hat hier aber auf die Gerechtigkeit abgehoben, einem zentralen Begriff der islamischen Rechtslehre und Theologie, der meist bewusst als Gegensatz zur westlichen „Vergötterung“ der -in erster Linie auf das Individuum bezogenen- Freiheit konstruiert wird. Muslime sind theologisch gehalten, fromme(!) Christen (in gemessenen Grenzen!) zu respektieren – Chávez hat hier auf eine muslimische Hörerschaft abgezielt, um gewissermaßen unter Gläubigen den gemeinsamen Kampf gegen das Unrecht (USA/Israel) zu beschwören.

Chávez‘ spin doctors werden ihm dies formuliert haben – für ihn wäre es wohl zu clever. Egal wie, er hat hier -im Gegensatz zur Bekreuzigung- nichts falsch gemacht, wenn auch das Ansprechen religiöser Themen gegenüber Muslimen immer heikel ist. Die freudige Erregung der westlichen Presse beruht auf Wunschdenken: man vermeint hoffnungsfroh, einen Dissens zwischen Chávez und der islamischen Welt entdeckt zu haben – und näht ohnehin gern mit heißer Nadel.


  1. spiegel.de/politik/ausland/0,1518,518038,00.html
  2. achgut.com
  3. achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/hugo_chavez_in_neuer_mission
  4. de.wikipedia.org/wiki/Caudillo
  5. de.wikipedia.org/wiki/Santiago Carrillo
  6. alertadigital.com/index.php?option=com_content&task=view&id=7900&Itemid=110
  7. de.wikipedia.org/wiki/Isa_bin_Maryam
  8. de.wikipedia.org/wiki/Dhimma

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