Mitternacht, SO36, Skalitzer, Späthunger, Stammdöner hat schon zu. Also Plan B, Falafel, der Laden hat noch auf. Plan C eigentlich, denn die jungen Falafistas sind erfahrungsgemäß wesentlich mieser drauf als ihre osmanischen Kollegen – die haben u.U. zwar auch Ansichten über Gott und die Welt, die man nicht unbedingt hören möchte, behalten sie aber locker für sich, vor allem ungefragt.
Falafel € 2.50. Eine Ecke weiter wartet eigentlich das Spätbier mit Lektüre der Tagespresse, aber draußen ist es kalt, also keine Falafel to go, sondern to stay. Der Falafista ist freundlich, einsam mit dem einzigem Gast im Raum, sucht das Gespräch. Der Gast möchte nicht unfreundlich sein, will auch nicht in der B.Z. blättern, meint ohnehin, dass man mit diesen jungen Menschen gelegentlich Austausch pflegen muss, es hilft ja nichts. Man guckt ja auch ab und zu in die Bild-, National- oder Islamische Zeitung, in die jW, das ND oder die JF. Sehen, was die Jungs so treiben. Nein, BILD ist kein Faschoblatt, so war es nicht gemeint, aber die Lektüre macht auch keinen Spaß. Der junge Mann ist kaum zu verstehen. Ägypter, wohl erst seit kurzem hier. Hat sich erkennbar bemüht, in kurzer Zeit halbwegs kommunikationsfähig zu werden. Wird sicher noch. Schlagend ungebildet, aber kein Dummy, interessiert, neugierig, allerdings verdächtig mitteilungsbedürftig. Kennt man, ahnt Schlimmes, hofft, dass es diesmal eine angenehme Enttäuschung bestehender Vorurteile wird. Der Tagesabschluss nervt etwas, soll erträglich bleiben. Der Gast fragt nicht nach dem Namen – sagen wir mal, Said. (mehr…)

